10 hilfreiche Tipps

Du willst auch das große Abenteuer wagen und Dich auf den Jakobsweg begeben? Dann findest Du hier praktische Hinweise und noch mehr Motivation für Deine Reise.

  1. Vorbereitungen
  2. Richtig Packen
  3. Pilgerpass
  4. Herbergen
  5. Verpflegung
  6. Miteinander
  7. Spirituelles
  8. Auf dem richtigen Weg bleiben
  9. Weitermachen trotz Schmerzen
  10. Bis ans Ende der Welt

1. Vorbereitungen

Camino: Pilgerweg

Überleg Dir genau, wieviel Zeit Dir zur Verfügung steht, welcher Camino der richtige für Dich ist und zu welcher Jahreszeit Du Deinen Jakobsweg gehen willst. Im Schnitt bin ich 20 bis 25 km am Tag gelaufen und hatte mir im Vorfeld ein paar „freie Tage“ mit eingeplant. Somit hatte ich unterwegs nie den Druck, unbedingt noch ein bestimmtes Ziel erreichen zu müssen. Empfehlenswert sind der Frühling und Herbst für die Pilgertour, da es im Sommer mächtig warm werden kann. An religiösen Feiertagen oder Wochenenden kann der Camino auch mal etwas voll werden.

Camino Francés: klassischer Pilgerweg in Frankreich startend

Mein Traum wäre es, direkt von meiner Haustür aus zu starten, damals bin ich den bekanntesten „Camino Francés“ gelaufen. Man kann aber auch den „Camino Primitivo“ an Spaniens Nordküste oder den „Caminho Português“ durch Portugal wählen. Ein spezielles Training ist aus meiner Sicht nicht unbedingt nötig, wenn Du die ersten Etappen etwas langsam angehst (15 bis 20 km). Viel wichtiger ist das richtige Schuhwerk! Deine Wanderschuhe sollten sehr gut eingetragen aber noch nicht „durchgelaufen“ sein. Meine Schuhe hatte ich schon 6 Jahre und ich war den gesamten Weg blasenfrei! Was außerdem zählt, ist ein guter Wanderführer. Du findest darin Wegbeschreibungen, Adressen und Ausstattungen der Herbergen, Karten sowie Sehenswertes auf der Strecke. Besorg Dir unbedingt eine aktuelle Ausgabe! Geh am besten in einen Buchladen und schau Dich um. (Sehr beliebt ist der Outdoor aus dem Conrad Stein Verlag oder der Rother Wanderführer.)

2. Richtig Packen

Rucksack sollte max. 12 % des Körpergewichts wiegen

Aus meiner Sicht ist ein gut gepackter Rucksack mit ausgewähltem Equipment das A und O beim Pilgern. Als Faustregel gilt, dass Dein Gepäck maximal 10 bis 12 % Deines Körpergewichts wiegen sollte. Nimm also nichts Überflüssiges mit, denn jedes Gramm zählt! Dabei darfst Du nicht vergessen, dass täglich Dein Proviant und genug Wasser noch dazu kommen. Kleiner Tipp: Die schweren Sachen sollte man nah am Rücken tragen.

Ich hatte mich für funktionelle Kleidung entschieden (schnell trocknend und leicht), hatte nur kleine Packungen Duschgel und Zahnpasta dabei und wollte auf jeglichen Luxus verzichten – bis auf meinen Ipod und ein Tagebuch.
Auch wenn der Wetterbericht nur Sonnenschein anzeigen sollte, sei gewappnet für Regentage. Nichts ist schlimmer, als ein klatschnasser Rucksack!

3. Pilgerpass

Credencial del Peregrino: Pilgerausweis

Im Vorfeld solltest Du Dich um Deinen Pilgerausweis kümmern, den „Credencial del Peregrino“. Nur mit ihm ist es Dir gestattet, in den Pilgerherbergen zu übernachten.

Santiago de Compostela: Ziel des Jakobsweges

Außerdem benötigst Du den Pilgerpass, um Dir in Santiago de Compostela Deine Pilgerurkunde abzuholen. Man bekommt den Ausweis in einigen Herbergen aber kann ihn sehr unkompliziert hier bestellen. Das Dokument erhälst Du kostenlos und es wird Dir postalisch zugeschickt. Über eine Spende ist die Jakobus Gesellschaft natürlich immer sehr erfreut :)

4. Herbergen

Öffentliche Pilgerherbergen für 5 bis 10 € pro Übernachtung

Hast Du Dich einmal auf den Weg begeben, so wirst Du Dich jeden Tag fragen: „Wo schlafe ich heute?“. Entscheidest Du Dich für die öffentlichen Pilgerherbergen, so musst Du mit 5 bis 10 € pro Übernachtung rechnen. Dafür bekommst Du eine wohltuende Dusche, kannst Deine Sachen waschen und findest einen Schlafplatz. Manchmal wird für die Pilger sogar Abendessen gekocht oder ein Frühstück angeboten.

Peregrinos: Pilger

Der Schlafplatz ist auch schon der Knackpunkt: In wenigen Herbergen gibt es den Luxus von Zwei-Bett-Zimmern, man kann sich auch mal in einem Schlafsaal mit 100 Peregrinos wiederfinden, nach Geschlechtern getrennt. Im Durchschnitt schläft man aber mit 10 oder 15 Leuten, weshalb ich jedem das Einpacken von Ohrenstöpsel ans Herz lege (nicht nur zwei Stück, man verliert gern mal einen). Wem das zu anstrengend ist, der wird in den meisten Gegenden auch Pensionen mit mehr Privatsphäre zu höheren Preisen finden. Dein Wanderführer wird Dich über alle Übernachtungsmöglichkeiten und deren Konditionen bestens informieren.

5. Verpflegung

Mein Lieblingsthema :)
Immer genug Wasser dabei haben!!! Man findet auf dem Weg zwar Brunnen (Vorsicht vor Keimen), Supermärkte und Bars (in denen man auch Wasser in Kuststoffflaschen kaufen kann), aber man sollte sich nicht immer darauf verlassen. Auch hier hilft der Wanderführer und sagt Dir, wo es Einkaufsmöglichkeiten unterwegs gibt.

Pilgermenüs kosten ca. 15 €

Kleine Snacks oder Energieriegel für zwischendurch erfreuen nicht nur den Magen, sondern erheitern auch die Stimmung. Noch erheiternder sind abendliche Pilgermenüs in Restaurants. Hier bekommst Du Drei-Gänge-Menüs für ca. 15 €. Die meisten Herbergen sind auch mit Kochmöglichkeiten ausgestattet. Oft finden sich mehrere Pilger zusammen, die dann für die ganze Gruppe kochen – dies sind wohl die erheiterndsten Abende.

6. Miteinander

Freunde finden wie beim Speed-Dating – das hat mich verblüfft. Am ersten Tag war ich noch schüchtern und nur für mich selbst. Am zweiten Tag kam ich schon ins Gespräch. Ab dem dritten Tag ging ich offen auf andere Pilger zu.

Es scheint wie Magie, man taucht ein in eine ganz andere glückliche Welt. Denn die überlebenswichtigen Dinge sind geklärt: Du wirst immer einen Schlafplatz haben, Du wirst immer etwas zu Essen bekommen, Du wirst Dich immer Duschen können und Deine Sachen waschen, Du bist nie allein.

Nach meiner Rückkehr wurde ich oft gefragt, ob ich den Jakobsweg allein gemacht hätte: „Na klar!“ Die oftmals gehörte Reaktion: „Waaas? Ganz allein und das als Frau? Ist das nicht einsam?“ – NEIN! Ich habe nur tolle Erfahrungen gemacht und war wirklich froh, mich allein auf die Reise begeben zu haben. Schnell hat sich eine kleine Pilgergruppe gebildet, wir haben uns abends in den Herbergen getroffen, sind Wege gemeinsam gelaufen, haben tiefsinnige Gespräche geführt. Ich musste regelrecht darum kämpfen, mal eine Etappe nur für mich allein zu gehen.

7. Spirituelles

Du musst nicht religiös sein, um den Pilgerweg zu gehen, denn jeder ist willkommen. Wenn Du aber offen bist für die kleinen Wunder, wirst Du vielleicht nicht mehr an den Zufall glauben. Hier ein paar Anekdoten von meinem Jakobsweg:

Ich hatte meine Socken in einer Herberge vergessen und es erst am Abend bemerkt. Da kamen andere Pilger auf mich zu. Sie fragten mich, ob ich diejenige mit den liegengelassenen Socken sei. (Nachrichten verbreiten sich auf dem Weg wie Lauffeuer…) Thomas hätte diese eingepackt, wäre heute aber eine längere Strecke gelaufen und demnach auf dem Weg irgendwo vor mir. Bei seinem Tempo konnte ich ihn unmöglich wieder einholen und das Sockenpaar war mir auch nicht so wichtig. Neun Tage später breite ich meinen Schlafsack in einer Herberge aus und mir klopft jemand auf die Schulter: Thomas stand vor mir mit meinen Socken.

Ich liebe Kleeblätter und noch mehr liebe ich es, vierblättrigen Klee zu finden. Was für ein schöner Zeitvertreib, am Wegesrand danach Ausschau zu halten. Am ersten Tag fand ich kein Vierblättriges, am zweiten Tag auch nicht. Als ich am dritten und vierten Tag noch immer nicht fündig wurde, hatte ich die Faxen dicke: „Da ist doch der Wurm drin! Jetzt hab ich keine Lust mehr nach Klee zu suchen.“ Ich machte Rast, setzte mich auf meinen Rucksack und aß genüsslich mein Brot. Und ohne danach gesucht zu haben, stach mir ein vierblättriges Kleeblatt ins Auge. Doch das Wunder war noch nicht zu Ende. Da war ja noch eins. Und noch eins. Und da sogar ein sechsblättriges! Ich endete mit 23 Kleeblättern in 10 Minuten. Die wurden schön gepresst und an die Pilger verschenkt, denen ich noch so begegnet bin.

Welche Geschichten wirst Du mit nach Hause bringen? Was wirst Du erleben?

8. Auf dem richtigen Weg bleiben

Am Wegesrand findest Du immer wieder die gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund als Markierung. Doch nicht immer ist der Weg gut gekennzeichnet. Was tun?
Man kann Kartenmaterial mitnehmen, GPS-Geräte, Navigationsgeräte oder internetfähige Smartphones. In meinem Fall hatte ich nur meinen Wanderführer, in dem es einige Karten und Beschreibungen gab. Und das hat mir genügt. Klar habe ich mich ein paar wenige Male verlaufen. Doch das waren kleine Abenteuer, die sich gelohnt haben. Auf der Suche nach dem rechten Weg bin ich auf sehr hilfsbereite Einheimische zugegangen, die mir sogar Kaffee und Kekse anboten. Und ehrlich gesagt: Es tat mir so gut, mal keine Mails zu empfangen oder Telefonate entgegenzunehmen!

9. Weitermachen trotz Schmerzen

Schmerzen die Füße oder der Rücken, so hilft es oftmals, trotzdem einfach loszugehen. Kommt der Körper erst einmal in Bewegung, lassen Schmerzen meist nach. Geh einfach mal am Stock und nutze ihn als Stütze bei unwegsamen Gelände. Aber auch ein Ruhetag kann Wunder bewirken.

Mangelt es an Motivation oder Durchhaltevermögen, kann man sich die Gründe für seine Reise ins Gedächtnis rufen. „Warum mache ich das hier überhaupt?“ – Ich will mir und meiner Familie doch beweisen, dass ich die ganze Strecke zu Fuß gehen kann! Ich will doch fit sein und meinem Körper etwas Gutes tun! Ich will doch mal Zeit nur für mich selbst haben!

Ultreia: Ansporn unter Pilgern

Ultreia! - Lauf weiter! Du schaffst das! Halte durch! Und wenn das alles nichts hilft, so kann man sein Tagebuch nehmen und die vorangegangenen Einträge lesen – Motivation pur!

10. Bis ans Ende der Welt

Camino a Fisterra: Pilgerweg zum Kap Finisterre

Ich war so infiziert vom Pilgern, dass ich in Santiago de Compostela noch nicht genug hatte. Außerdem sollte mein im Vorfeld gebuchter Rückflug erst in einer Woche gehen. Zum Glück gab es da noch den „Camino a Fisterra“, der von Santiago de Compostela zum „Ende der Welt“ führt.

Am Ziel gab es als Belohnung herrliche Badestellen im Meer und eine atemberaubende Aussicht von den Klippen auf den Ozean. Dort angekommen ist es Tradition, seine Pilgerkleidung zu verbrennen – in meinem Fall war es das verlorene Sockenpaar. Danach bin ich mit dem Bus zurück nach Santiago de Compostela gefahren, wo ich aus reinem Zufall ;) alte Pilgerfreunde wiedergetroffen habe. Da wir alle noch etwas Zeit bis zu unseren Flügen hatten, sind wir kurzentschlossen zu einem gemeinsamen Pilgerurlaub nach Porto gefahren. Was für ein krönender Abschluss.

Was? Du zögerst noch? Du bist noch nicht ganz überzeugt, den Weg selbst zu gehen? Dann lass Dich von atemberaubenden Landschaften inspirieren und motivieren!

Buen Camino: Gruß unter Pilgern

Und wenn Du Dein Ticket gebucht hast, dann schau Dir hier meine Packliste mal an. „Buen Camino“!

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